Ist eine Lösung für Einkaufswagen bald in Sicht?

Auszug aus der BZ:

"Einkaufswagen sollen an die Leine"

"Montags ist es besonders schlimm", sagt Michael Maier vom Sprecherrat des Stadtteilbüros Weingarten. Überall in der Nähe von Supermärkten stünden herrenlose Einkaufswagen herum. Nach dem Willen einer Initiative von Bürgerverein Weingarten und Sprecherrat soll damit bald Schluss sein. Beim Vor-Ort-Termin im Einkaufszentrum an der Krozinger Straße mit Vertretern der dort ansässigen Aldi- und Edeka-Filialen sowie von Rewe an der Bugginger Straße ging es um eine Entwicklung mit dem sperrigen Namen Einkaufswagensicherungssystem.

Eine Menge Vorarbeit sei nötig gewesen für dieses Gespräch, sagt Gerhard Steinhart, Vorsitzender des Sprecherrates Weingarten-Ost. Anerkennung kommt von Rewe-Bezirksmanager Steffen Schröder. "Wir sind uns bewusst, dass diese wild geparkten Wagen für Weingarten ein größeres Problem darstellen." Auch Sven Barwig vom Edeka-Markt sagt, dass er die Problematik seit Jahren kenne und sich über die Aktion freue. Auf Vorschlag des Sprecherrates und des Bürgerverein-Arbeitskreises "Schöner wohnen in Weingarten" unter Leitung von Sylvia Freudling präsentieren an diesem Nachmittag zwei Vertreter der Firma Carttec aus Eislingen ein System, das es nahezu unmöglich macht, Wagen zu entführen.

Neben einem magnetgesteuerten Sys-tem, das aber Schwächen aufweist, bietet sich eine elektronische Sperrung an. "Sie arbeitet ähnlich wie bei Ampelanlagen mit einer in den Boden eingearbeiteten Induktionsschleife", erklärte Eliseo Pavone. Rollt der Wagen darüber, sendet sie auf die Spezialrollen des Wagens ein digitales Signal – und nichts geht mehr. Der Wagen blockiert, kann aber mit einer Fernbedienung wieder fahrtüchtig gemacht werden. "Es bleibt den Märkten überlassen, welche Flächen sie für eine Sperrung aussuchen", sagte Norbert Kotzur von Carttec. Das könne beim Ausgang des Ladens oder des Einkaufszentrums sein. Das Parkhaus und die Fahrräder sollten möglichst erreicht werden. In einer Reihe von Läden in Freiburg habe die Firma ihr System schon getestet und positive Rückmeldungen erhalten. Der Wagen-Schwund sei dort Vergangenheit, laute die Botschaft.

Bei der lebhaften Diskussion über ein gemeinsames Vorgehen wird schnell deutlich, dass mit der rein technischen Einrichtung das Problem nicht völlig vom Tisch sei. Es werde Proteste geben, davon ist Sylvia Freudling überzeugt: "Es hat sich in Weingarten ein Gewohnheitsrecht eingespielt." Viele Bewohnerinnen und Bewohner seien überzeugt, dass es ihr gutes Recht sei, die Wagen mit in die Hochhäuser zu nehmen. Dort stünden sie dann verlassen auf den einzelnen Etagen oder vor dem Eingang der Gebäude herum. Die jeweiligen Märkte würden zwar Mitarbeiter losschicken, um die Wagen wieder einzusammeln, aber oft seien es einfach zu viele.

Die "Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg" (ASF) sammelt diejenigen Einkaufswagen ein, die auf öffentlichem Grund stehen. "Für alle anderen sind die Eigentümer zuständig", sagt Dirk Gabel, Einsatzleiter bei der ASF: "Wir warten, bis einige zusammengekommen sind und bringen sie zum Rohstoffverwerter." Für die Mitglieder des Bürgervereins ist es besonders ärgerlich, wenn die verlassenen Wagen als Müllbehälter benutzt werden. "Es müssen jetzt alle umdenken und die neue Situation akzeptieren", fordert Freudling. Sie ist sicher, dass die neuen Regeln nach einigen Wochen kein Problem mehr darstellen würden, sollten die Filialen sich wirklich entschließen, solche Sicherungssysteme anzuschaffen.

Christian Seip, der als Vertreter der Stadtbau am Gespräch teilnimmt, verspricht, bei Bedarf im städtischen Mietermagazin auf die Neuerung hinzuweisen. Und die Mitglieder des Sprecherrates haben sich bereits darauf eingerichtet, in den ersten Wochen der Umstellung den Kundinnen und Kunden zur Seite zu stehen. Sie wären bereit, persönlich zu helfen, um mögliche Konfliktsituationen zu entschärfen und Alternativen aufzuzei-gen, wenn es darum geht, den Einkauf ohne Wagen nach Hause zu schaffen. "Wir werden Überzeugungsarbeit leisten", sagt Steinhart. Die Diskussion schließt mit der Aufforderung an die Eislinger Firma, ein konkretes Angebot abzugeben.

Artikel Badische Zeitung